Chansons Urban

13 Jahre liess sich der Sänger, Gitarrist und Songwriter Dänu Siegrist Zeit für sein neues Album. Nicht, dass er unter «Writer’s Block» gelitten hätte. Doch als gestandener Musiker, der seit 40 Jahren selber aktiv ist und ab 1994 als Mitinitiant des Rockfördervereins Basel auch intensive Blicke hinter die Kulissen des Musikgeschäfts werfen konnte, kennt Dänu keinen Zeitdruck.

Das neue Album «CHANSONS URBAN», sein sechstes Solowerk insgesamt, nahm er erst in Angriff, als der richtige Moment für ihn gekommen war - dafür mit kompromisslosem Einsatz. Dänu stellte sich eine Band aus Basler Musikern zusammen, die er als Szenegänger schätzen gelernt hatte. Dann verpflichtete er mit Darren Hayne einen Tontechniker und Produzenten, der sein Anliegen, dank musikalischer Reduktion Platz für Emotionen und seine Charakterstimme zu schaffen, intuitiv verstand und auch tontechnisch umsetzen konnte.

«CHANSONS URBAN» ist kein lautes Album, aber das kraftvolle Statement eines reifen Songwriters. Es lebt von einer intimen Atmosphäre und von der schnörkellosen Art, mit der Dänu seine berndeutschen Texte umsetzt. Dabei scheut er sich nicht, die Hosen hinunterzulassen und die Gefühle, die ihn umtreiben, so direkt zu beschreiben, dass auch die Zuhörer sich ihnen nicht entziehen können.

«Lorraine», eine Reminiszenz an seine Jahre als Schüler im Berner Nordquartier, verbreitet einen Hauch von Wehmut, ohne sentimental zu sein. «Das sy mir» ist die Hymne der Post-68er und macht klar, dass auch die «Aussteiger», die den Marsch durch die Institutionen bewusst gemieden haben, Grund haben, auf ihren Lebensplan stolz zu sein. Die Eröffnungsnummer «Nachtzug» ist die musikalische Visitenkarte dieses starken Comebacks: Ein Nachtzug, der noch viel weiter fährt als bis nach Lissabon, und durch die dunklen Stunden rattert bis sich endlich am Horizont die erste Morgenröte zeigt. Musikalisch ist «CHANSONS URBAN» das Amalgam von Siegrists langen Musikerjahren und bringt das zusammen, was ihn seit den Jahren bei den Berner Mundartrock-Pionieren Span inspiriert hat. Dem entspannten und doch aufreizenden Gitarrenrock der Eröffnungsnummer folgen Tex-Mex-Klänge (Summer Ir Schtadt) , schwelgerische Cantautori-Romantik (Geischterstund) und das von weitem an den frühen Bruce Springsteen erinnernde «Du bisch ds Beschte wo n’ I ha». Als Sänger hat Dänu Siegrist zugelegt: Er phrasiert mit der Sicherheit und Selbstverständlichkeit desjenigen, der sich nicht mehr verstecken muss.

Siegrist ist ein Mann, der nicht auf Nonsens setzt, sondern die Biografien einer ganzen Generation reflektiert, ohne sie zu verklären. Auch er zählt zu denen «wo ihre Troum so ärnscht näh ,aus wärs e Businessplan», wie er in «Das sy mir» singt. Er, der das Musikbusiness kennt, kann mit ihm umgehen, doch er weiss auch, dass das Geschäft höchstens ein notwendiges Übel ist. Nun will der 60jährige zurück auf die Bühne. Und er freut sich darauf.

CHANSON URBAN - Credits

Dänu Siegrist: Vocals – Gitarren – Piano – Keyboards
Eric Gut: Drums – Percussion
Francois Terrapon: Bass – Vocals
Pim Kops: Piano – Keyboards – Akkordeon – Organ
Luc Montini: Gitarren
Giacun Schmid: Gitarren – Vocals

Produzenten: Giacun Schmid & Darren Hayne
Aufnahmen: Darren Hayne - One Drop Studio – Basel
Mischung und Mastering: Darren Hayne - Ton Art Studio – Basel
Fotografie: Kostas Maros – www.kostasmaros.com
Kompositionen & Texte: Dänu Siegrist